Archiv der Kategorie: Lehrgänge

Landeslehrgang mit Kyu-Prüfung und Video-Shinsa in Ingolstadt

Nachdem der Bundeslehrgang Individualkorrektur mangels Teilnehmer kurzfristig abgesagt wurde, nutzten wir das Wochenende spontan für einen Landeslehrgang. Unter der Leitung von Ingrid Haußner und Stefan Brendel kam eine interessierte Gruppe nach Ingolstadt, um ein vielfältiges Programm zu erleben.

Los ging es mit dem üblichen Vorschießen vor Mato und Makiwara. Basierend auf den Beobachtungen wurden dann individuelle Korrekturen für Technik und Taihai gegeben. Hierbei wurden Ingrid und Stefan von Jan und Ulrich unterstützt. Für drei der Teilnehmer wurde es dann noch besonders spannend. Prüfungen zum 4. und 3. Kyu standen auf dem Programm. Alle haben die Prüfungskriterien klar erfüllt. Herzlichen Glückwunsch zur neuen Graduierung. Den Tag ließen wir mit einem gemeinsamen Abendessen beim Italiener ausklingen.

Am Sonntag kam der nächste Höhepunkt des Wochenendes. Die Aufzeichnung der Videos für die Video-Shinsa 2022 stand auf der Tagesordnung. Ein Anwärter zum 1. Dan und drei Anwärter zum 2. Dan ließen sich filmen. Ob die gezeigte Leistung für die neue Graduierung ausreichend war, werden wir erst in einigen Wochen oder Monaten sehen. Die Videos werden zusammen mit den Antworten zur schriftlichen Prüfung nach Japan übermittelt, dort gesichtet und bewertet. Wieviel Zeit die Japaner für die Sichtung der weltweit eingereichten Videos brauchen, ist unbekannt. Der Tag wurde mit Individualkorrekturen (teilweise mit Video-Unterstützung) fortgesetzt. Auch wurden kreative Methoden zur Verbesserung der Körperhaltung bei Taihai und im Schießablauf eingesetzt. Motivierte Trainer und wissbegierig Teilnehmer sorgen für ein optimales Lernklima. Vielen Dank an das Donau-Dojo Ingolstadt für die Ausrichtung dieser Veranstaltung.

Stefan Brendel

Sommerseminar in Neuburg an der Donau

Der krönende Abschluss der diesjährigen Sommerseminare fand Ende August in Neuburg an der Donau statt. Als Lehrer für den schulübergreifenden Lehrgang konnten Tryggvi Sigurdsson (kyoshi 7. dan) und Feliks F. Hoff (kyoshi 6. dan) gewonnen werden.

In drei intensiven Tagen wurde ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm geboten. So wurde jeder Tag mit einer anderen ANKF-Zeremonie gestartet. Los ging es mit einem yawatashi, am zweiten Tag wurde ein hitotsu mato sharei demonstriert und der letzte Tag begann mit einem tachi sharei. Und die Teilnehmer, die ihren kimono dabei hatten, zeigten an zwei Tagen ein mochi mato sharei.

Zunächst zeigten alle Teilnehmer in einem Prüfungstaihai ihr Können. Anschließend wurde aufgeteilt in zwei Gruppen gründlich an der Verbesserung der Schießtechnik gearbeitet. Nahezu jeder Schuss wurde von einem der Lehrer begleitet und man bekam sofort individuelle Rückmeldungen. Abgerundet wurde das Training durch kleine Impulsvorträge
und Demonstrationen (z.B. Muskelarbeit im nobiai) und auch für Fragen zu unterschiedlichen Kyudo-Themen standen Tryggvi und Feliks tagsüber, aber auch in den Pausen und beim gemeinsamen Abendessen zur Verfügung. Auch an den taihai-Grundbewegungen wurde gefeilt und hilfreiche Hinweise zu hada nugi und tasuki sabaki wurden gegeben.

Während der drei Tage, die viel zu schnell vergingen, herrschte eine konzentrierte, aber äußerst freundliche und entspannte Atmosphäre, in der sich nicht nur die Teilnehmer wohl fühlten. Dementsprechend begeistert war das feedback. Beim „final check“, dem abschließenden Vorschießen, waren bei allen Teilnehmern deutliche Fortschritte zu sehen.
Ein herzliches Dankeschön an Tryggvi und Feliks für Ihren unermüdlichen Einsatz. Die beiden haben mit ihrer motivierenden Art und Weise Freude an Kyudo vorgelebt und vermittelt. Wir haben viel geschossen, viel gelernt und viel gelacht.

Ohne die Neuburger Gastgeber, insbesondere Ingrid, Max und Hartmut, wäre eine solche Veranstaltung nicht möglich gewesen. Danke für Eurer Engagement.

Stefan Brendel

DKyuB Heki Sommer-Seminar III mit Ryuji Harada und Feliks Hoff

Vom 19.08. bis 21.08.2022 fand in Hamburg das 3. Sommerseminar unter der Leitung von Ryuji Harada, Assistent Professor für Kyudo an der International Budo University und Feliks F. Hoff, 6. Dan Kyoshi statt. Nicht vergessen darf die engagierte Unterstützung beider Seminarleiter durch Connie Brandl-Hoff, 5. Dan Renshi werden!

Die Seminarleitung hatte dieses Seminar diesmal so konzipiert, dass bewusst Abweichungen von einem starr vorgegebenem Seminarablauf einbezogen wurden.

Die Teilnehmerschaft, fast alle in Trainerfunktion, wurde in 2 Gruppen auf 2 Dojo verteilt und diese im tageweisen Wechsel durch die Sensei unterwiesen.

Einen besonderen Schwerpunkt dieses Seminars legten beide Lehrer dabei nicht nur auf die individuelle Korrektur der einzelnen Schützen sondern auch auf deren Wissensvermittlung als Trainer. Viele Detailfragen konnten so thematisiert werden.

Seminarinhalte waren ferner die Vermittlung von Technik und Lehre mit Schwerpunkt Nobiai, die Praxis verschiedener Heki-Taihai-Formen, unter anderem ein Heki-Hitotsu-Mato-Taihai im Kimono mit Yatori sowie ein Wettkampf-Taihai, wobei dabei gleichzeitig auch die Tätigkeit und der Aufgabenbereich der Kampfrichter Thema dieses Seminarteiles war.

Besonders hervorzuheben war dabei einerseits, das Angebot von Harada-Sensei, ihm zu jeder Zeit Fragen stellen oder auch jederzeit Korrekturwünsche an ihn herantragen zu dürfen, andererseits ist in gleicher Weise sein Bemühen hervorzuheben, alle Unterweisungen nicht in japanischer, sondern in englischer Sprache vorzunehmen.

Das zentrale Thema des Seminars war das Nobiai. Hierzu hielt Harada-Sensei einen mit Power Point visualiertem Vortrag „Practice for Nobiai“ .

Neben den allgemeinen grundlegenden Ausführungen zum Nobiai gab Harada-Sensei eine ebenso anschauliche Interpretation wie auch Abgrenzung von Hikanu-, Hiku-, und Tada-yatsuka.

Er beschrieb sehr detailliert Umstände, die sich verbessernd oder nachteilig auf das Nobiai auswirken und gab hierzu den Trainern konkrete Anhaltspunkte für die Umsetzung in ihrer Trainertätigkeit an die Hand.

Der engagierte Unterricht von Harada Sensei und die Erfahrung und Kompetenz von Feliks Hoff ließen – nach Meinung aller Teilnehmer im Abschlussgespräch – uns ein großartiges Heki-Sommer-Seminar erleben, von dem wir sowohl als Kyudoka als auch Vermittelnde viel mit nach Hause nehmen durften.

Ein herzliches Dankeschön den Sensei und ebenso an Connie für all ihre Bemühungen.

Ein herzliches Dankeschön aber auch all den engagierten Helfern des Alster Dojo Hamburg!

Wolfgang Strobel

Trainerlehrgang in Erlangen

War es in den vergangenen zwei Jahren die Pandemie, so war es jetzt der Krieg in der Ukraine, der uns von der gewohnten Trainings- und Lehrgangsstätte in Erlangen ausschloss. Das brachte im Vorfeld und bei der Durchführung des Lehrgangs ungewohnte kleine Probleme, die Stefan Brendel und seine Helfer jedoch weitgehend im Griff hatten. Stefan hatte die beiden Tage hervorragend vorbereitet und dabei viele ungewohnte Einzelheiten zu berücksichtigen. Der neue Austragungsort war das Bistro der Gaststätte „Blaue Traube“ im Sportheim des TB 1888 Erlangen. Was wir bisher in der Küche des Aikido-Dojos in unserer gewohnten Halle erledigen konnten, übernahm nun zum Teil der Betreiber der Gaststätte. Der Geschäftsführer des Hauptvereins unterstützte uns sehr und stellte Biertisch-Garnituren und zwei Pavillons zur Verfügung und sorgte dafür, dass der Rasenplatz, den sonst andere Abteilungen des Vereins nutzen, für unser „Wander-Dojo“ am Sonntag freigehalten wurde.

Den ersten Tag des Lehrgangs nutzte Feliks Hoff für einen Vortrag über die Achtsamkeit als eine besondere Form der Aufmerksamkeit, von dem er allen Lehrgangsteilnehmern im Vorfeld eine sechsseitige Niederschrift aus dem Jahr 2021 übersandt hatte. Ganz am Anfang jedoch schickte er alle Teilnehmer in eine geführte Meditation im Sitzen auf den gewöhnlichen Stühlen des Bistros. Die volle Konzentration auf den Körper, beginnend mit der Stellung der Füße auf dem Boden, dem Fühlen der Sitzfläche und der Aufrichtung des Rückens, frei oder angelehnt an die Rückenlehne, galt der Atemführung. Einatmen und Ausatmen, unterteilt in Beginn, Mitte und Ende, löste bei den meisten mit dieser Methode nicht vertrauten Anwesenden ganz unterschiedliche Empfindungen aus. Sie waren so eindrücklich, dass sie viele Aussagen am Sonntag, beim Resümee der Teilnehmer, sehr stark bestimmten. Die ausgeführten grundlegenden Aussagen zur Achtsamkeit verband er in der Folge mit den sechs Schritten des Einsichtsdialogs: 1. Innehalten, 2. Entspannen, 3. Öffnen, 4. Sich Einstimmen auf das Geschehen, 5. Tief zuhören und 6. Die Wahrheit sagen.

Nach der Theorie zu den einzelnen Punkten schickte er die TeilnehmerInnen in Zweiergruppen zu einer neuen Übung, die ihnen viel abverlangte. Sie sollten jeweils der anderen Person fünf Minuten lang zuhören, ohne diese zu unterbrechen, danach wechseln und nach den zweiten fünf Minuten sich gemeinsam weitere fünf Minuten über das jeweils Gehörte unterhalten. Die Gruppen wechselten in den Saal, den sonst die Tanzsportabteilung unseres Vereins nutzt. Sie saßen auf dem Parkettboden oder Gymnastikbällen, rangen darum, wer anfangen sollte und waren am Ende so in ihren Austausch vertieft, dass einige das Gongsignal zur Beendigung des jeweiligen Zeitabschnitts oder gar dessen Ende überhörten. Fazit fast aller Schilderungen über das Geschehen war: Schweigend so lange zuhören zu müssen, brachte fast alle an ihre Grenzen. Wir sind es gewohnt, bei Äußerungen eines Gegenübers, stets sofort eigene Argumente in das Gespräch einzubringen. Das Minimum an Äußerung der Zuhörer*innen waren Kopfbewegungen und Gesichtsmimik als Kommentar zum Gehörten. Bei der Abfrage der dabei entstandenen Empfindungen, kam von nahezu allen der Hinweis auf den besonderen Wert des Augenkontakts zwischen den Gesprächspartnern. Dieser sei wesentlich dafür, ob sich der/die Sprecher*in als wertgeschätzt oder nicht empfindet.

Bei der Wiederholung dieser Übung mit wechselnder/m Partner*in gab Feliks vor, sich mit den verschiedenen Rollen, die wir einnehmen (als Kyudo-Lehrende und als im Leben stehende Person) zu befassen. Es war erstaunlich, zu welch unterschiedlichen Ergebnissen die jeweiligen Gruppen gelangten. Bei den Frauen kam nahezu jede auf ihre Mutterrolle zu sprechen und damit verbunden ihre ihnen oft von außen aufgezwungene Sicht, wie diese auszufüllen sei. Ein Tn sprach davon, dass man oft auch gezwungen sei, eine Rolle bewusst zu spielen, um bestimmte Ziele oder bestimmtes Verhalten anderer zu erreichen. Auch von der Gesellschaft aufgezwungene Rollen, meist im Beruf, kamen zur Sprache, denen man sich oft aus moralischen oder verwandtschaftlichen Gründen nicht entziehen könne, z. B. bei der Pflege von Angehörigen.

Im Nachgang des Lehrgangs, bei den Resümees der Teilnehmer*innen, kam oft der Hinweis auf diese Wechselgespräche und die damit ausgelösten besonderen Gefühle. Das wurde durchwegs als positive Erfahrung vermerkt. Am Rande: Wer interessiert und mutig genug ist, Näheres über seine Beziehung/Partnerschaft zu erfahren, sollte dieses Wechselgespräch in seiner „Hardcore-Form“ anwenden. Jede/r spricht und hört je zweimal 15 Minuten, die strikt (Timer!) einzuhalten sind, wechselseitig zu. Die/der Sprechende (es beginnt die/der mit der geringsten gewürfelten Augenzahl) darf während seines Parts auch schweigen, dabei aber keinesfalls unterbrochen werden. Ob nach dieser Stunde weiterer Bedarf zu einem gemeinsamen Austausch oder gar zur Wiederholung dieser Prozedur besteht, ist ungewiss.

Der Zweck dieser beiden unterschiedlichen Übungen bestand in der Absicht Feliks‘, allen teilnehmenden Trainer*innen eine neue Art des Umgangs mit ihren „Schülern“ beim Vorschießen und der Suche nach der zutreffenden Korrektur anzubieten. Nämlich die sechs Schritte des vorgenannten Einsichtsdialogs praktisch anzuwenden.

Innehalten: Beim Treffen an der Honza sich selbst und sich gegenseitig wahrnehmen, Augenkontakt herstellen, sich auf den eigenen Körper konzentrieren und so Achtsamkeit erreichen. Entspannen heißt warten, bis der Schütze seinerseits bereit ist anzufangen. Öffnen: Vorschießen lassen und „dabei sein“, bis Zanshin erreicht ist. Im „Jetzt“ sein und dabei Eindrücke des Schusses bei mir selbst und dem Schützen zulassen und registrieren, gibt es einen Beziehungsfluss zwischen uns oder hat bei mir schon die Beurteilung der verschiedenen Phasen der Hassetsu begonnen? Das Geschehen zulassen, dem Entstehen vertrauen, da wir nicht wissen, was gleich kommt. Sind wir in dieser Instabilität präsent, oder versuchen wir bekannte Erfahrungen einzufrieren und festzuhalten, um Kontrolle ausüben zu können? Bin ich in der Lage, mit einem „Ich weiß nicht Verstand“ dem Verschwinden bisheriger Erfahrungen zuzustimmen? Tief zuhören bedeutet, voll präsent und freundlich dem Angebot des Schützen zuzuhören, geduldig und unbeeindruckt von der Tagesform dem Drang widerstehen, etwas zu sagen. Ein schwer einzuhaltender Punkt, wie die Übungen von vorhin gezeigt haben. Dazu hilft das stetige Üben der ersten drei Punkte des Einsichtsdialogs, indem wir unser Zuhören in einem internen Dialog unterbrechen, um darauf reagieren zu können, indem wir besonders auf die Worte des Übenden achten. Wir erkennen damit den Wert der uns anvertrauten Geschichten an, lernen sie zu verstehen und können uns in sie einfühlen. Alle diese Schritte in der Dialogform führen dazu, dass wir die Wahrheit sprechen. Sie beruht auf der Achtsamkeit des Innehaltens und stabilisiert sich mit dem Entspannen, engagiert sich beziehungsmäßig mit dem Öffnen und gewinnt Flexibilität mit dem Einstimmen auf das Entstehen. Es gehören Achtsamkeit und Unterscheidungsvermögen dazu, um seine subjektive Wahrheit in Worte zu fassen und dadurch nur das in der Situation für die Dialogpartner Nützliche zu erreichen. Wir sagen Dinge, die gesagt werden müssen, freundlich und im Guten, wir kommunizieren Fürsorge, spenden Trost, drücken Freude aus, schenken Einsichten, vermitteln Leichtigkeit. Sprechen bringt unser Denken zu Tage und zeigt, wie wir mit Anderen umgehen. Lassen wir dabei Achtsamkeit walten, werden diese Gewohnheiten sichtbar und eine Veränderung möglich.

Mit der Diskussion über dieses Thema und dessen praktische Anwendung im Alltag der Trainer*innen endete der erste Tag des Lehrgangs. Es schloss sich ein gemeinsames Abendessen im Biergarten der Sportgaststätte unseres Vereins an. Mit der Qualität und der Menge der gewählten Speisen und Getränke war man durchwegs zufrieden. Allerdings kam es wegen der starken Besetzung der Gasträume durch ein Treffen von Burschenschaftern bei der Essensausgabe, trotz Speisen-Vorauswahl und deren rechtzeitiger Übermittlung an den Koch, zu ungewohnt langen Verzögerungen.

Der zweite Tag fand ab 9:30 Uhr bei herrlichem Sommerwetter im Freien statt. Wir hatten auf dem großen Rasenplatz der Sportanlage des TB 1888 unser „Wander-Dojo“ mit sechs Matos (s. Bild) aufgebaut. Am Beginn konnte jede/r Teilnehmer*in vier Pfeile zum Aufwärmen schießen, was angesichts der Temperatur eigentlich unnötig war. Es ging eher um das Gewöhnen an die Anlage. Danach stellte sich Kristina aus Bremen als Schützin zum Vorschießen zur Verfügung. Nach geschossenen zwei Pfeilen war sie diejenige, die mit der neuen Methode korrigiert wurde. Deshalb fragte sie Feliks zuerst nach ihrer eigenen Befindlichkeit und den Problemen bei ihren Schüssen. Nach ihrer ausführlichen Schilderung dazu, besonders zur Stabilität bei den Schüssen insgesamt, meinte Feliks, er habe einen Plan und in der Folge der weiteren Korrektur fragte er: „Willst du meine Einschätzung hören?“ An alle gewandt: „Jetzt mache ich etwas, was sie vermutlich verblüffen wird. Ich werde mit ihr darüber sprechen, wie sie den Bogen trägt. Wie sie Torijumi macht, wie sie Tekiwari gestaltet, wie da die linke Hand schon steht. Denn da ist, wie ich beobachtet habe, schon große Vielfältigkeit und Vielfältigkeit ist nicht Eindeutigkeit. Das heißt, Stabilität ist unter vielen Varianten schwieriger herzustellen, als wenn man eine Form anstrebt. Das Kreuz des Tenouchi beginnt beim Bogentragen.“ Auf immer mehr in Einzelheiten bei der Führung der Yunde eingehend erläuterte er unter steter Nachfrage bei Kristina, wie das angesprochene Problem gelöst werden könnte. Bei der Frage in die Runde der Trainer*innen , ob jemand beim Yugamae etwas Besonderes bemerkt habe, meldete sich Tobias mit seinem Eindruck, ein Grund für die Unruhe sei, dass das Bogenende nicht fest auf dem Knie abgestellt sei. Das sei eine wichtige Beobachtung, meinte Feliks. Bei einer anschließenden Übung ohne Pfeil wies Feliks darauf hin, dass vor dem Anlegen des Tenouchi der Zug mit dem Ellenbogen und der Druck mit der offenen Yunde am Bogengriff genau gegenüber liegen und im Gleichgewicht sein müssten. Zwischen diesen beiden Punkten finde beim Yugamae alles statt. Danach schoss Kristina noch einen Pfeil unter Anwendung der eben erhaltenen Korrekturen. Nach dem Schuss befand Feliks, dass die Stabilität insgesamt besser geworden sei und er befragte Kristina nach ihren Eindrücken. Damit rundete er dieses „Muster-Korrekturgespräch“ ab, das insgesamt etwa eine Viertelstunde dauerte. Darin brachte Feliks auch einen seiner ständigen und schon sehr alten Lieblingssätze unter: „Jedes Hassetsu muss dem Hanare dienen!“. Damit drückt er aus, dass ein guter Schuss nur gelingen kann, wenn, beim Ashibumi beginnend, alle folgenden Schritte bis zum Abschuss technisch korrekt aufeinander aufbauend ausgeführt werden.

Diesem Korrekturgespräch, dem alle Anwesenden zusahen und zuhörten, folgte die Einteilung in fünf Dreiergruppen und eine Vierergruppe. Jeder in diesen Gruppen schoss wechselnd vor den anderen vor und hörte sich nach der, wie gelernt, zuerst abgefragten Eigenbefindlichkeit deren Korrekturvorschläge an. So entstand eine intensive Lehr- und Lerntätigkeit innerhalb der Gruppen über einen längeren Zeitraum. Bei der abschließenden Runde, in der von jeder und jedem der persönliche Eindruck über den Lehrgang abgefragt wurde, war dazu nahezu einhellig die Meinung zu hören, dass diese Art von Kommunikation in das eigene Lehrsystem eingebunden werden sollte. Nur ein Teilnehmer war der Meinung, diese Art Befragung des Übenden während des Trainings mache ihn zu einer Art Inquisitor. Als belebend befanden die Teilnehmer*innen, dass sie diese neue didaktische Methode aus beiden Perspektiven üben konnten. Einmal aus der des Lehrenden und zum zweiten aus der des Schülers. Besonders wurde hervorgehoben, dass in den Gruppen der Austausch zwischen den jungen und schon älteren anwesenden Trainer*innen sehr fruchtbar und von gegenseitigem Respekt geprägt war. Das ganze Seminar sei eine große Bereicherung gewesen und als „Trainerin-Küken so aufgenommen zu werden, sei wow“, meinte Katja in ihrer Zusammenfassung! Beide Seiten hätten viel voneinander lernen können war die einhellige Meinung zur zufälligen, allerdings stark vom Lehrgangs-Thema geprägten Zusammensetzung der Lehrgangsteilnehmer*innen.

In seiner Zusammenfassung der Lehrgangsinhalte bedankte sich Feliks für die Rückmeldungen und meinte, er mache sich Gedanken, ob und wie diese Art von Lehrgang fortgeführt werden könne. Es bedürfe der Übung und des Ausprobierens auch in der Alltagssituation. Ein Seminar und eine Einführung sei anders, als sich etwas in seiner Haltung zu eigen zu machen und sich daran zu erinnern, dass man dies als weitere Möglichkeit zur Verfügung habe. Wenn das einem im richtigen Moment einfällt, wenn es etwas schwierig wird, nicht anzuordnen, sondern sich zu sagen, ich gehe in den Dialog, trete etwas zurück, zum Wohle für mich und auch für den anderen, erleichtert das sehr. Das sei in Ordnung und man müsse diese Methode nicht sofort und immer bei jedem anwenden. „Ich sage noch einmal ausdrücklich, es ist eine zusätzliche Möglichkeit“. Wenn sich positive Seiteneffekte ergeben, in Form der Beziehung oder dass Gruppen damit positiv beeinflusst werden, dann kann man sich das merken und zu gegebener Zeit wieder herausholen. Es soll mehr Anregung sein, als zu sagen, es geht nicht anders. Es gibt viele Möglichkeiten. Im Buddhismus gibt es einen Terminus und der heißt „geschickte Mittel“. Diese sind gelegentlich außerhalb des Standards, aber solange sie helfen, sind sie gut. Man kann immer sagen, wenn ich Leute habe, die kompliziert in ihrer Körperlichkeit sind und ich habe jemanden im Verein, der Feldenkrais kann, dann kann er mit Feldenkrais oder Yoga arbeiten, um durch die Zäune oder Mauern zu kommen, die sich aufgerichtet haben. Wenn das jemanden hilft, muss er nicht Feldenkrais-Lehrer werden, sondern kann weiterhin Kyudo machen und nur ein paar Sachen im äußerlichen Üben ändern oder gelegentlich besser organisieren. Seid nicht ängstlich, auch einmal etwas anders zu machen.

Damit endeten seine Ausführungen und er rief wie üblich zur abschließenden Aufstellung zum Abgrüßen auf und wünschte allen eine gute Heimreise. Danach gab es noch das traditionelle Gruppenfoto und der Lehrgang war gegen 14:15 Uhr zu Ende und die Teilnehmer*innen machten sich nach einer kleinen Stärkung auf die für die meisten viele Stunden lange Heimreise, ob mit Bahn oder Auto. Aus Vereinen in Lübeck, Hamburg, Bremen, Aachen, Schwerte, Frankfurt, Heidelberg, Karlsruhe, Neuburg, München, Weilheim und Erlangen waren die Teilnehmer*innen angereist.

Hans Philipp

Bilder: Nora Schöner, Hans Philipp

Prüfungslehrgang in Neuburg/Donau

Am 21./22. Mai 2022 fand in Neuburg an der Donau wieder ein Landeslehrgang mit Prüfung bis einschließlich 1. Kyu statt. Als Lehrer und Prüfer waren Lilo Reinhardt aus München, Ingrid Haußner aus Neuburg sowie Dirk Schaupp aus Karlsruhe im Einsatz. Unterstützt wurde das Trio durch Marcus Kleint aus Freiburg und Wolfgang Strobel aus Würzburg, die
als Prüfungs-Beisitzer dabei waren und sich während des gesamten Lehrgangs tatkräftig mit einbrachten.

Neben Teilnehmern aus den bayerischen Vereinen (München-Ost, Erlangen, Würzburg, Schweitenkirchen, Ingolstadt, Weilheim und Pöcking) haben sich auch Schützen aus Freiburg, Karlsruhe, Schwerte und Dresden auf den Weg nach Neuburg gemacht. Insgesamt knapp 30 Teilnehmer.

Nach dem Vorschießen wurde in Kleingruppen intensiv an den individuellen Korrekturen gearbeitet. Je nach Entwicklungsstand des einzelnen Schützen gab es passende Hinweis zur Verbesserung der Schießtechnik oder des Taihais. Der erste Tag wurde mit einem gemeinsamen Abendessen abgeschlossen. Für die Hallenschläfer gab es noch eine nächtliche Trainingseinheit.

Der Prüfungstag wurde stilvoll mit einem Yawatashi eröffnet (Ite: Lilo Reinhardt, Kaizoe: Ingrid Haußner und Stefan Brendel). Nach einer Einheit zum Thema Shitsu nutzten die Teilnehmer noch die Gelegenheit, sich mit ein paar Schüssen auf die Prüfung einzustimmen. Die Prüfung selbst lief dann in ruhiger aber konzentrierter Atmosphäre
ohne größere Zwischenfälle ab. Nach einem ausführlichen Austausch der Prüfer und Beisitzer wurde schließlich das Ergebnis bekannt gegeben. Fast alle Teilnehmer durften mit einer neuen Graduierung nach Hause fahren. Herzlichen Glückwunsch.

Abschließend durften die neuen 4. Kyu unter Anleitung erstmalig auf 28m schießen. Auch die anderen Teilnehmer bekamen noch weitere Hinweise für ihr Schießen.

Ein dickes Lob allen Trainern, die für ein abwechslungs- und lehrreiches Wochenende sorgten. Und ein herzliches Dankeschön an Ingrid und ihre Helfer aus Neuburg, die für optimale Rahmenbedingungen sorgten.

Stefan Brendel

Kleiner Prüfungslehrgang in Erlangen

Im Rahmen des Sonntagstrainings in Erlangen fand ein Landeslehrgang mit Prüfung zum 4. und 5. Kyu statt. Hierzu hatten sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Weilheim, München-Ost, Schweitenkirchen, Neuburg und Erlangen angemeldet. Nach einem Vorschießen und kleinen Individuellen Korrekturen nahm Ingrid Haußner die Prüfungen ab. Sie wurde von Stefan Brendel als Beisitzer unterstütz. Alle Prüflinge haben bestanden. Herzlichen Glückwunsch und weiterhin viel Freude auf dem Weg des Bogens. Vielen Dank an Ingrid für die Leitung des Lehrgangs und die Durchführung des Prüfung.

Stefan Brendel

Prüfungslehrgang in Erlangen

Video Shinsa

Sehr kurzfristig und überraschend kam Ende Juli aus Japan die Information, dass es die Möglichkeit gibt, mittels Video an einer Prüfung zum 1. oder 2. Dan teilzunehmen. Aus Bayern nutzten 22 Schützen aus 6 Vereinen die Gelegenheit und meldeten sich für die
außergewöhnliche Prüfung an. Während in Japan zu Zeiten der Corona-Pandemie Prüfungen live mittels Video-Übertragung stattfanden, war es bei der Video-Shinsa in Deutschland (und allen anderen nicht-japanischen Kyudo-Nationen) möglich, ein Video im eigenen Verein aufzuzeichnen. Dieses wird dann zusammen mit den Antworten auf die schriftliche Prüfung und dem Trefferprotokoll über den DKyuB nach Japan
übertragen.

Die Meinungen bzgl. dieser Prüfungsmöglichkeit gehen stark auseinander. Einerseits fehlt die Prüfungsatmosphäre, das begleitende Seminar, der internationale Charakter und die Chance, andere Kyudo-Begeisterte kennenzulernen und wiederzusehen. Anderseits ist es eine gute Möglichkeit, überhaupt mal wieder eine Prüfung zu machen; und das Ganze auch mit einem minimalen zeitlichen und finanziellen Aufwand. Prüfungen in der Vergangenheit fanden beispielsweise in Paris/Frankreich,
Amsterdam/Niederlande oder Poznan/Polen statt.

Alle erforderlichen Daten wurden fristgerecht eingereicht (deutschlandweit haben 115 Personen an der Video-Shinsa teilgenommen) und nach Japan übermittelt. Dort werden die Videos und Antwortbögen gesichtet und bewertet. Mal schauen, was für Rückmeldungen von der ANKF kommen.

An dieser Stelle noch ein herzliches Dankeschön an alle, die diese Prüfung möglich gemacht haben: Kameraleute, Daten-Konvertierer und -Übermittler, Übersetzer, …

Ich bin gespannt, ob es diese Art der Prüfungsteilnahme auch in Zukunft geben wird.

Stefan Brendel

EKF-Seminare in Bourges/Frankreich

Lange haben die Veranstalter die Entscheidung, ob die Seminare wirklich stattfinden sollen, hinausgezögert. Schließlich kam das OK und 12 deutsche Kyudoka (darunter 2 aus Bayern) machten sich auf den Weg nach Bourges mitten in Frankreich. Am ersten Seminar (bis 2. Dan) nahmen 55 Personen teil. Für das 2. Seminar (ab 3. Dan) meldeten sich über 70 Interessierte an.

Aufgeteilt auf 3 shajo wurden die Teilnehmer von 7 kyoshi aus ganz Europa unterrichtet. Deutschland wurde bei den Lehrern durch Shigeyasu Kameo vertreten. In einer gelungenen Mischung aus Demonstrationen, Vorträgen und Individualkorrekturen gepaart mit relativ viel Schießpraxis durften die Teilnehmer zwei lehrreiche und abwechslungsreiche Seminartage erleben.

Sehr motivierende und engagierte Lehrer, kleine Gruppengrößen und eine hervorragende Organisation sorgten für optimale Rahmenbedingungen. Nach all den Einschränkungen der letzten Monate ein gelungener Neustart des Trainingsbetriebs.

Ein herzliches Dankeschön an alle, die an die Durchführung des Seminars geglaubt haben und somit für eine unvergessliche Veranstaltung gesorgt haben.

Stefan Brendel

Lehrgang in Berlin

Am 26/27.9.20 fand in Berlin ein Individual-Korrekturlehrgang statt unter der Leitung von Dagmar Baer und Sorin Jurma. Endlich nimmt das Kyudoleben nach dem Corona-Stillstand wieder Fahrt auf. Der Lehrgang fand in einer neuen, schönen, großen Halle im Norden von Berlin, am Stadtrand statt.

Thema war: „Jiman“, von Dagmar in einem kurzen Vortrag vorgestellt, sehr anschaulich und prägnant. Es ging darum, wie man die 3 Elemente , Geist, Bewusstsein,
psych. Energie mit , richtiger Schießtechnik undKörper(beherrschung) mit gleicher Vollendung verbindet, damit ein korrekter Schuss und Treffer entstehen kann.

Unter intensiver Einzelbetreuung konnten dann die Teilnehmer (13) an 10 Mato für sich ungestört üben. Wann hat man das schon einmal? Zum Schluss brachte Sorin noch einen Schub in die Atmosphäre, indem die Teilnehmer aufgefordert wurden, rein mental einen Schuss im TaiHai komplett durchzuführen, nach Möglichkeit ohne Konzentrationsabriss. Nach Ende der Übung sollten wir sagen, ob wir getroffen hätten. Meines Wissens hat kein Teilnehmer das bejaht.

Perfekt, reibungslos organisiert, kann man Individual-Korrekturlehrgänge dieser Art wirklich nur empfehlen, vor allen Dingen für Trainer und Traineranwärter.

Ulrich Grußendorf, Bilder: Simon Grunert

Frühjahrsseminar mit Kurosu Sensei

Nach einigen Jahren Pause besuchte Kursou Sensei in diesem Frühjahr wieder einmal Deutschland. Geplant waren zwei Seminare in Aachen und Hamburg. Schon wenige Stunden nach der Verteilung der Ausschreibungen waren beide Seminare ausgebucht und die Wartelisten füllten sich.

Aufgrund der Corona-Krise meldeten sich kurzfristig immer mehr Teilnehmer ab, so dass viele Nachrücker die Möglichkeit hatten, an dem dreitägigen Seminar in Aachen teilzunehmen. In seiner Begrüßung ging Kurosu auch auf Corona ein. Durch den Klang unserer Sehnen sollen wir die bösen Geister vertreiben (meigen).

Am ersten Tag bekam jeder Teilnehmer eine individuelle Korrektur von Kurosu Sensei. Jeder konnte in den folgenden Tagen intensiv an der Umsetzung der Hinweise arbeiten und bekam am dritten Seminartag nochmal eine abschließende Rückmeldung.

Der Theorieteil, der auf mehrere Blöcke am Samstag und Sonntag aufgeteilt wurde, beschäftigte sich mit den Hika der Heki-ryu. Ausführlich wurde auf die 12 Gedichte eingegangen. Unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten und Lesarten wurden besprochen, Verbindungen zum Mokuroku hergestellt und immer wieder auf die drei wichtigsten Themen hingewiesen: shuitsu muteki, jiman, momiji gasane. Abgeschlossen wurde der Theorieteil mit einer offenen Fragerunde am Sonntag.

Da sich die Situation in der weltweiten Corona-Krise immer weiter verschlimmerte und durch die angekündigte Regierungserklärung von Premierminister Abe (es wurde erwartet, dass es strengere Einreisbestimmungen für Japan geben wird), wollte Kurosu Sensei seine Deutschlandreise vorzeitig abbrechen. Nachdem Karin und Manfred stundelang in der Warteschleife der Hotline der Fluggesellschaft hingen (Danke für Eure Geduld!) konnte für Sonntag Abend ein Direktflug von Frankfurt nach Tokyo gebucht werden. Das Aachener Seminar musste etwas früher beendet und die Veranstaltung in Hamburg komplett abgesagt werden. Kurosu Sensei ist wieder gut zu Hause in Sendai angekommen, ohne in Quarantäne zu müssen.

Ein herzliches Dankeschön am Manfred Speidel, der auf gewohnt souveräne Art und Weise die Theorie-Teile und die individuellen Korrekturen übersetzt hat. Ebenso gilt der Dank dem Aachener Verein (allen voran Ulla, Helgard und Matthias), die für einen herzlichen Empfang und einen reibungslosen Ablauf sorgten. Zuletzt geht der Dank auch an Manfred Riemer, der die Reise plante und Kurosu Sensei während seines Aufenthalts begleitete.

Stefan Brendel