Deutsche Enteki-Meisterschaften in Hannover

Anfang September standen die deutschen Enteki-Meisterschaften im Terminkalender des DKyuB. Nach zwei Jahren in Hordorf bei Braunschweig wanderte die Veranstaltung dieses Jahr in die niedersächsische Hauptstadt Hannover. Der noch sehr junge Verein „Kyudo in Hannover e.V. – Kuma Dojo“ richtete den Wettkampf auf dem Trainingscampus der Hannover-Grizzlies aus. Dort befindet sich auch das in diesem Jahr eingeweihte Dojo.

Während das Enteki-Zelt am Freitag im Dauerregen aufgebaut wurde, schien sich das Wetter am Samstag zunächst etwas zu bessern. Beim freien Training war es teils bewölkt und leicht windig. Nach einer kurzen Begrüßung wurde das Wettkampfwochenende mit einem Yawatashi der Kampfrichter Ingrid Haußner und Jürgen Salomon eröffnet.

Leider verschlechterte sich das Wetter zusehends. Der Wind wurde immer stärker, teilweise mit heftigen Böen. In der ersten Runde war es so stürmisch, dass alle Pfeile der bayerischen Mannschaft vom Wind irgendwohin geweht wurden, nur nicht auf das 60m entfernte Ziel. Somit startete Bayern mit einer Nullrunde. Anders als bei der Bundesliga gibt es bei deutschen Meisterschaften leider keine Streichrunde.

Noch vor Beginn des zweiten Durchgangs verschlechterte sich das Wetter weiter. Obwohl das Zelt mit zahlreichen Erdhaken und Abspannseilen verankert war, hob es kurzfristig ab. Der durch den Regen aufgeweichte Boden konnte die Befestigungen nicht halten. Ösen der Planen wurden ausgerissen, Kabelbinder zerfetzt, Verbindungsteile zerbrachen und Stangen wurden verbogen. Kurzerhand wurde entschieden, das Zelt komplett abzubauen. Nach einer kurzen Pause wurde der Wettkampf dann fortgesetzt. Unter den weiterhin widrigen Bedingungen wurde das Schießen zeitweise ein Glücksspiel. Der Wind ließ etwas nach, dafür zog ein Regenschauer über das Gelände. Letztendlich wurden aber alle fünf Runden durchgeführt, so dass am Ende jede Mannschaft 60 Pfeile geschossen hatte.

Trotz des Fehlstarts rollte die bayerische Mannschaft mit Horst Riechers, Stefan Brendel und Heike Birner das Feld von hinten auf und konnte sich noch den Titel sichern. Platz zwei ging an das Mixed Team „Rosen Tachi“ (Markus Hansseler (Niedersachsen), Philipp Thiele (Niedersachsen) und Susanne Richter (Bayern). Bronze sicherte sich Berlin mit Thomas Stier, Erina Akoshima und Mohsen Pourjazdan im Stechen gegen Niedersachsen.

Aufgrund der Witterungsbedingungen wurde auf die Siegerzeremonie verzichtet und die Siegerehrung nach drinnen verlegt. Dort genossen wir auch das gemeinsame Abendessen. Zum krönenden Abschluss des Tages organisierten die Hannoveraner noch ein fantastisches Feuerwerk in den Herrenhäuser Gärten.

Am Sonntag zeigte sich das Wetter von einer ganz anderen Seite. Blauer Himmel, Sonnenschein, angenehme Temperaturen und vor allem Windstille. Damit herrschten optimale Bedingungen für einen fairen Wettkampf.

Auch die Einzelmeisterschaft ging über fünf Runden mit je vier Pfeilen. Zunächst sah es nach einem Start-Ziel-Sieg für Horst Riechers aus Ingolstadt aus, nachdem er in den ersten drei Runden zwei Kaichu schaffte. Leider ließ seine Leistung am Ende etwas nach. Dafür drehte Stefan Brendel, der zunächst eher mäßig gestartet war, in den letzten drei Runden noch einmal richtig auf und sicherte sich den Titel. Silber hatte Horst aber sicher. Um den 3. Platz gab es noch ein Stechen zwischen Stephan Christiann , Jan Kaul und Jessica Herold, alle aus Niedersachen. Jan konnte sich mit einem weiteren Treffer die Bronzemedaille holen.

Die drei Erstplatzierten im Einzel zeigten dann noch eine Siegerzeremonie, bevor bei der Siegerehrung Pokale und Urkunden überreicht wurden. Auch die Kampfrichter gingen nicht leer aus. Mit einem kleinen Geschenk bedankte sich der ausrichtende Verein im Namen aller Teilnehmer bei der Wettkampfleitung. An dieser Stelle sei auch allen Helfern herzlich gedankt, ohne die der Platz nicht vorbereitet gewesen wäre und wir alle hungrig und durstig geblieben wären.

Stefan Brendel

Schulübergreifendes Sommerseminar in Neuburg

Ende August fand in Neuburg an der Donau das schulübergreifende Sommerseminar statt. Als Lehrer der Heki Ryu Insai Ha war wie im vergangenen Jahr Sven Zimmermann (Renshi 6. Dan) im Einsatz. Den Shomen-Teil übernahm erstmalig Gérald Zimmermann (Kyoshi 6. Dan) aus der 
Schweiz. Die beiden haben nicht nur den gleich Nachnamen. Beide haben eine sehr erfrischende Art, die Freude am Kyudo zu vermitteln. Eine breite Mischung aus fundiertem Wissen, tiefen Erfahrungen, der notwendigen Ernsthaftigkeit aber auch einer ordentlichen Portion Humor 
mit Lachen und Augenzwinkern zeichnet die Lehrer aus. „Nicht so oberlehrerhaft wie bei anderen Lehrgängen.“ merkte ein Teilnehmer in der Mittagspause an.

Jeder der drei Lehrgangstage wurde mit einer Zeremonie eröffnet. Den Beginn machte Gérald mit einem Yawatashi der ANFK. Unterstützt wurde er hierbei von Stefan und Ingrid als 1. und 2. Kaizoe. Am zweiten Tag zeigte Sven eine Zeremonie der Heki Ryu Insai Ha. Der letzte Tag begann 
mit einer Demonstration eines Mochimato Sharei, gezeigt von den Kyudo-ältesten Teilnehmern. Diese Form wurde am Vortag von allen intensiv geübt. Während die etwas Jüngeren von Sven erst einmal eine ausführlichen Einweisung in diese Zeremonie erhielten, übten die Höhergraduierten den Ablauf mehrfach. Immer wieder gab es hilfreiche Hinweise: Nutzung des Raums, Kuraidori, Umgang mit dem Kimono, Harmonie in der Gruppe, Atmung, Präsenz, Körperhaltung, Blickführung, 
Koordination Rissha und Zasha, Synchronisierung Hadanugi und Tasuki Sabaki, … Da war für jeden was dabei. Für den einen waren es Neuigkeiten, für den anderen Erinnerungen an bereits Gelerntes.

Am Samstag hielt Gérald einen spannenden Vortrag zum Thema Tsumeai. Die Präsentation enthielt auch einige Bilder von erfahrenen Schützen. Hierbei wurden jeweils 2 Bilder übereinandergelegt. Eine Aufnahme zeigte die Person im Nobiai kurz vor dem Hanare, die andere Aufnahme wurde im 
Zanshin des selben Schusses gemacht. Interessant war hier die Dynamik des linken Arms im Abschuss zu sehen.

In weiteren kleinen Theorie-Einheiten wurde auf Fragen der Teilnehmenden eingegangen. Auch hier wurde ein bunter Blumenstrauß an Kyudo-Themen angesprochen: Knochenlinie, Yugaeri, Atmung, Hara, Nobiai, …

Und auch die Schießpraxis kam an dem langen Kyudo-Wochenende nicht zu kurz. Aufgeteilt in zwei Shajo wurde viel geschossen, wobei es jeweils am ersten Mato von den Lehrern individuelles Feedback zur Schießtechnik gab, teilweise sogar mit Video-Unterstützung. Da bekam der ein oder 
andere auch noch einige Hausaufgaben mit auf den Weg.

Leider ging der Lehrgang viel zu schnell zu Ende. In der angenehmen Atmosphäre hätten wir gerne noch weiter trainiert. Wir hoffen, dass es im kommenden Jahr eine Fortsetzung gibt.

Nochmals herzlichen Dank an Gérald und Sven für Euer Engagement. Und natürlich auch an das Team aus Neuburg, die mit Dojo und Verpflegung für angenehme Rahmenbedingungen sorgten.

Stefan Brendel

Schulübergreifender Bundeslehrgang in Ingolstadt

Inzwischen ist es schon zur kleinen Tradition geworden, dass Connie Brandl-Hoff und Shige Kameo gemeinsam eine Bundesveranstaltung leiten. Anfang Juli war es mal wieder soweit. Schwerpunkt des schulübergreifenden Lehrgangs, der vom Donau-Dojo in Ingolstadt ausgerichtet wurde, lag bei Individualkorrekturen für Schießtechnik und Taihai.

Als Eröffnung wurde von den beiden Lehrenden ein Mochi Mato Sharei demonstriert. Beim anschließenden Hitote zeigten die zwanzig Teilnehmenden, die aus Ingolstadt, Erlangen, München, Pöcking, Neuburg, Aachen, Köln und Waldniel kamen, ihren aktuellen Entwicklungsstand. In einer kleinen Theorie-Einheit, die als offene Austauschrunde konzipiert war, wurde erst einmal auf ein paar grundlegende Themen eingegangen. Die Toriyumi-Position wurde erläutert und die Grundprinzipien Seikitai, Dozukuri, Ikiai und Mezukai/Metsuke wurden wiederholt.

Zusammenfassend motivierte Shige, bei Taihai und dem Schießablauf mehr auf die Adjektive „groß“, „stark“ und „tief“ zu achten.

Der restliche Tag wurde dann intensiv geübt. Alles im ANKF-Taihai und es gab bei nahezu jedem Schuss Rückmeldung zur Schießtechnik. Parallel dazu konnte auf vier weiteren Mato an der Umsetzung der Korrekturen gearbeitet werden. Alles in Allem ein sehr intensives und effizientes Training.

Zum Glück stellten die Mitglieder des Donau-Dojo ein umfangreiches, sehr vielseitiges und leckeres Buffet zur Verfügung, so dass man sich in den Pausen gut stärken konnte.

Zum Abschluss des ersten Tages gab es dann noch eine Fragen&Antworten-Runde, bei der es auch nochmal viele neue Erkenntnisse gab.

Beim gemeinsamen Abendessen klang der Tag aus. Mit Pizza, Pasta oder anderen italienischen Köstlichkeiten wurden die Energiespeicher wieder gefüllt und es wurde ein reger Austausch über Kyudo und andere bewegende Themen gepflegt.

Der zweite Tag wurde wieder von beiden Lehrern eröffnet, die noch einmal eindrucksvoll zeigten, welche Präsenz ein Schütze und welche Harmonie eine Gruppe im Taihai ausstrahlen kann.

Obwohl danach der Fokus mehr auf individuelle Korrekturen gelegt wurde, durften alle Teilnehmer noch einmal im Taihai zeigen, was sie vom Vortag mitgenommen hatten. Dies wurde gleichzeitig in zwei Gruppen praktiziert und jeder Schütze wurde dabei von einem der Lehrer betreut und korrigiert. Im Anschluss wurde frei geschossen und die Teilnehmer konnten sich entscheiden, ob sie jeweils am Mato 1 noch weitere Korrekturen haben wollten oder an den übrigen Mato versuchen wollten, die bereits bekommenen Hinweise umzusetzen.

Im Theorieteil des zweiten Tages wurden die übrigen Prinzipien des Schießens (Koshi, Zanshin, Ma, Shizen no Dosa) in der Gruppe besprochen, wobei wieder verschiedene Teilnehmer und die Lehrer ihre persönlichen Aspekte und Interpretation darlegten. Dadurch wurde deutlich, in welcher Vielfalt und Breite diese von Bedeutung sein können und sollten.

Aber nicht nur die Lehrer hatten etwas Theorie mitgebracht. Es gab auch die Möglichkeit in der großen Runde mitgebrachte Fragen zu stellen.

Ein kleines Highlight war, dass Kameo Sensei selbst immer mal wieder unkommentiert ein paar Pfeile vor dem Makiwara schoss. Es geht nichts über ein gutes Bewegungsvorbild. Hier demonstrierte er die zuvor mündliche gemachten theoretischen Erläuterung für alle gut sichtbar in der Praxis.

Herzlichen Dank an Connie und Shige für den unermüdlichen Einsatz, die vielen individuellen Hilfestellungen und die Bereitschaft, Wissen und Erfahrung zu teilen. Schade, dass nicht mehr Personen teilgenommen haben, um von den Inhalten des Lehrgangs zu profitieren.

Ein großes Dankeschön geht an die Mitglieder des Donau-Dojos, die nicht nur mit einer köstliche Verpflegung für angenehme Rahmenbedingungen sorgten.

Text: Mario Richter, Stefan Brendel
Bilder: Stefan Brendel

Deutsche Kinteki-Meisterschaften 2026 in Karlsruhe

Am letzten Juniwochenende stand wieder ein Höhepunkt des Kyudo-Jahres im Kalender. In Karlsruhe wurden die deutschen Kinteki-Meisterschaften ausgetragen.

An diesem Wochenende ereignete sich aber auch ein anderer Rekord. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen (1881) wurde in Deutschland an zwei aufeinanderfolgenden Tagen neue Temperaturhöchstwerte (41,5°C ) gemessen. Aufgrund der Wettervorhersage sagten einige angemeldete Personen ihre Teilnahme an dem Wettkampf ab. Durch einige Ventilatoren, viele gekühlte Getränke und reichlich Obst auf dem Buffet versuchten die Gastgeber die Rahmenbedingungen so erträglich wie möglich zu gestalten.

Die Begrüßung wurde durch Beiträge von DKyuB-Vorstandsmitglied Nadine Emmer,  ehemaligem Trainer der Kyudo-Abteilung Michael Brettschneider sowie Vizepräsident des Budoclub Karlsruhe Matthias Marke bereichert. Nach dem Yawatashi, das von Feliks Hoff zusammen mit Shigeyasu Kameo und Stefan Brendel durchgeführt wurde, startete die Sempai-Meisterschaft. Startberechtig sind hier alle Personen, die mindestens den 5. Dan haben. Sieben Kyudoka gingen an den Start. In der Vorrunde wurden 2×2 Pfeile geschossen. Mit einer Trefferquote von mindestens 50% qualifizierte man sich für die Finalrunde. Das gelang 4 Schützen. Es wurden dann nochmals 2×4 Pfeile geschossen. Mit 2 Treffern in der Vorrunde und weiteren 7 Treffern im Finale holte sich Markus Hanssler aus Niedersachsen souverän den Titel. Herzlichen Glückwunsch. Auf Platz zwei landete Shigeyasu Kameo aus Nordrhein-Westfalen mit insgesamt 6 Treffern, dicht gefolgt von Feliks Hoff aus Hamburg, der insgesamt 5 mal traf. Für Feliks war es dieses Jahr nach eigener Aussage die letzte Teilnahme an deutschen Meisterschaften. Einziger bayerischer Starter war Stefan Brendel, der sich jedoch nicht fürs Finale qualifizierte.

Nach einer kurzen Pause, die vor allem die Kampfrichter und Helfer nutzen, um ihren Flüssigkeitshaushalt wieder in Ordnung zu bringen und eine Kleinigkeit zu essen, ging es mit der Einzelmeisterschaft weiter. Die 30 Teilnehmenden schossen zunächst 2 Pfeile im Shinsa Maai. Fünf Wertungsrichter beobachteten das genau und bewerteten die Performance. Die höchste Punktzahl erreichte Andrea Knafla aus Berlin. Sie erhielt den Stilpreis.

Die 15 Schützen mit den höchsten Bewertungen schossen im Finale dann nochmal 8 Pfeile. Mit insgesamt 7 Treffern (Vorrunde + Finale) holte Bernhard Weller aus Baden-Württemberg den Titel. Die Plätze 2 und 3 wurden im Enkin zwischen Anna Rykov und Jan Ruzicka (beide aus Hessen) ermittelt. Beide trafen das Mato, der Pfeil von Jan landete jedoch eine Idee mittiger, wodurch er sich die Silbermedaille sicherte. Von den fünf bayerischen Startern qualifizierte sich nur Nadine Wolfsteiner fürs Finale. Ihre Treffer reichten dann aber leider nicht für eine Platzierung. Das Thermometer in der Halle zeigte zeitweise Temperaturen über 40°C an. Eine wahre Hitzeschlacht.

Am zweiten Wettkampftag fand dann die Mannschaftsmeisterschaft statt. Sieben Teams gingen an den Start. Pro Schütze wurden 12 Pfeile, pro Team also 36 Pfeile geschossen. Die bayerische Mannschaft, bestehend aus Nadine Wolfsteiner, Jesko Buchs, Martin Lenz und Max Griesmann, startete mit großartigen 9 Treffern und setzte sich zusammen mit dem Team aus NRW an die Spitze. Die folgenden beiden Runden waren nicht mehr ganz so trefferstark, aber auch bei den meisten anderen Mannschaften ließ die Leistung nach. Somit konnte Bayern schließlich mit 22 Treffern den Titel holen. Super Leistung! Zuletzt erreichte Bayern 2018 eine Platzierung bei deutschen Kinteki-Meisterschaften (Platz 2). Der letzte Titel liegt sogar schon 15 Jahre zurück.

Drei Mannschaften lagen punktgleich mit 21 Treffern auf dem 2. Rang. Die erste Runde des Stechens konnte NRW für sich entscheiden. In einem weiteren Stechen um Platz 3 konnte sich Hamburg gegen Niedersachsen durchsetzen.

Vielen Dank an die Wettkampfleitung Dagmar Baer und alle Kampf- und Wertungsrichter, die bei den schweißtreibenden Bedingungen einen kühlen Kopf bewahrten. Ein ganz dickes Dankeschön geht an das Orga-Team rund um Caro Schaupp. Die zahlreichen Helfer während des Wettkampfes (Schreiber, Kanteki, Yatori, …) haben hervorragende Arbeit geleistet. Und viele weitere Helfer haben für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. Vom Empfang über Passeinträge durchführen, Helfer und Kampfrichter mit Wasser versorgen, Auf- und Abbau wurde hier viel Zeit und Engagement investiert. Otsukaresama desu! Besonders hervorheben möchte ich noch das üppige und abwechslungsreiche Buffet. Neben Gyoza bis Kuchen, unterschiedlichen Salaten und Curry, Obst und Gemüse blieben keine Wünsche offen.

Text: Stefan Brendel
Bilder: Martin Lenz, Stefan Brendel

Prüfungslehrgang in Neuburg an der Donau

Der Landeslehrgang mit Prüfung bis einschließlich 1. Kyu in Neuburg an der Donau erfreut sich großer Beliebtheit, auch weit über die bayerischen Landesgrenzen hinaus. Aufgrund der großen Nachfrage wurden 33 Teilnehmer zugelassen. Neben den bayerischen Vereinen Neuburg, Erlangen, Schweitenkirchen und München-Ost konnten wir auch Gruppen aus Freiburg und Stuttgart sowie Schützen aus Heidelberg, Karlsruhe, Frankfurt, Hamburg und Berlin begrüßen. Während sich bei dem Lehrgang in Erlangen vor 4 Monaten sehr viele Makiwara-Schützen anmeldeten, waren es dieses Mal nur 5 Anwärter für 5. und 4. Kyu. Der Schwerpunkt lag klar bei den Mato-Schützen. Alleine für die Prüfung zum 1. Kyu gab es 12 Anmeldungen. Um vor Ort Zeit für das Schreiben und Auswerten der schriftlichen Prüfung zu sparen, wurden die Fragen, wie bei den Dan-Prüfungen, vorher per Mail verteilt und die Antworten ein paar Tage vor dem Lehrgang bei den Prüfern eingereicht.

Als Lehrer und Prüfer waren wieder Ingrid Haußner (Neuburg), Lilo Reinhardt (München-Ost) und Marcus Kleint (Freiburg) im Einsatz. Dieses Team arbeitet bereits seit einigen Jahren erfolgreich zusammen. Lilo und Ingrid leiten schon seit über 20 Jahren gemeinsam diesen Lehrgang.

Als Eröffnungszeremonie zeigten die Lehrer ein Hitotsu Mato Sharei. Dann durften die Teilnehmer zeigen, was sie können. Anschließend wurden viele Aspekte des Kihontai wiederholt und geübt und auch der eine oder andere individuelle Hinweis zur Verbesserung der Schießtechnik wurde gegeben. Dabei ging es nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch um die Freude am Schießen. In der letzten Runde schossen dann alle mit Kiai. Mit dieser positiven Energie wurde der praktische Teil des ersten Trainingstags erfolgreich abgerundet.

Nach dem gemeinsamen Abendessen gab es noch einen kurzen Zwischenstopp bei der Eisdiele. Dann versteckten sich einige Dojo-Schläfer in ihren Schlafsäcken, während andere die milden Temperaturen nutzen, um das Hofgartenfest in Neuburg zu besuchen.

Der Sonntag startete mit etwas Gymnastik, bevor nochmal auf das Thema Shitsu eingegangen wurde. Nach vier frei geschossenen Pfeilen begannen die Kyu-Prüfungen. Während die Teilnehmer Mittagspause hatten, setzten sich die Prüfer zusammen, um die Prüfungsergebnisse zu diskutieren. Nachdem auch die Prüfer sich etwas am Buffet stärkten, kam es zur „Urteilsverkündung“: 28 neue Kyu-Grade durften in die Pässe eingetragen werden. Die neuen 1. Kyu durften sich sogar über eine originelle Glückwunschkarte freuen. Im Anschluss wurde fleißig weitergeübt, mit weiteren Rückmeldungen von den Trainern. Zum Abschluss gab es nochmals eine Runde Taihai für alle.

Ohne einen engagierten Ausrichter wären solche Veranstaltungen nicht möglich. Deshalb ein dickes Dankeschön an Ingrid, Max und Markus von Judoclub Neuburg.

Und selbstverständlich auch vielen Dank an Lilo, Ingrid und Marcus, die mit viel Einsatz und jahrzehntelanger Erfahrung die Teilnehmer auf ihrem Weg des Bogens ein Stück begleiteten.

Stefan Brendel

Heki-Taikai 2026 in Warschau

Zum dritten Mal lud Tametomo Warschau Heki-Schützen von überallher ein. Vereine aus Deutschland, Finnland, Italien, Litauen, Norwegen, Polen, Österreich, der Schweiz und Ungarn kamen zu diesem wettkämpferischen Familientreffen zusammen.

Deutschland war mit Aachen, Dresden, Hamburg, Karlsruhe, Kiel und Stuttgart vertreten – und für Bayern trat das Isar-Dojo München an.

Wie viele Teilnehmer war das Isar-Dojo schon zwei Tage zuvor zum Sommerseminar vom 4. bis 5. Juni nach Warschau gereist. „Enjoy Kyudo,“ begrüßte Kurosu-sensei über 65 Kyudo-Schützinnen und -Schützen, die mit Hingabe und Freude an ihrer Form arbeiteten. Mit einem „Ganbatte Kudasai“ eröffnete er am 6. Juni das Heki Taikai. Und ja, Durchhaltevermögen war durchaus gefragt, bei so vielen guten Schützen (die zum Teil anstrengende Seminartage hinter sich hatten). In kameradschaftlichem Wettstreit, mit  großer Konzentration und viel Anfeuern gingen die beiden Wettkampftage vorüber. Der Abend  dazwischen bot Anlass zu regem Austausch.

Im Teamwettkampf konnte der Gastgeber Tametomo seinen ersten Platz verteidigen. Zweiter wurde das Team aus Aachen. Der dritte Platz wurde in der dritten Runde eines spannenden Stechens zwischen Karlsruhe und Dresden für letztere entschieden. Im Einzel sicherte sich Holger Minx vom Alster Dojo Hamburg den ersten Platz. Der zweite und dritte Platz ging nach einer Runde Stechen an Friedgar Errenst aus Aachen und Rick Sosiński von Tametomo. Als Schiedsrichter fungierte Michał Mazurek von Tametomo.

Tametomo übergibt nun die Staffel an Turbine Dresden. Das 16. Heiki Taikai wird also wieder in Deutschland stattfinden.

Martin Haldenmair

Weitere Fotos gibt es auch unter www.heki-taikai.com

38. Bayerische Meisterschaften

Am ersten Sonntag im Mai fanden die diesjährigen bayerischen Meisterschaften in Neuburg an der Donau statt. Nach einigen kurzfristigen Absagen waren schließlich 7 Mannschaften und 24 Einzelschützen am Start. Geschossen wurde über die volle Distanz von 20 Pfeilen pro Teilnehmendem.

Nach der Begrüßung durch den KyuVB Präsidenten Stefan Brendel und einiger Erklärungen durch die Wettkampfleitung wurden die Meisterschaften durch ein Yawatashi eröffnet. Ite war Ingrid Haußner vom gastgebenden Verein, unterstützt wurde sie durch Max Keller und Stefan Brendel als Kaizoe.

Draußen stieg die Temperatur auf den bisher höchsten Wert des Jahres und auch in der Halle wurde es im Laufe des Nachmittags immer wärmer. Das hielt aber einige Teilnehmer nicht davon ab, Top-Ergebnisse abzuliefern. 

Im Einzel gab es von Anfang an ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen vier Startern. Nach 20 geschossenen Pfeilen lagen dann drei Wettkämpfer mit jeweils 16 Treffern gemeinsam auf Platz 1. Also stand ein spannendes Stechen auf dem Programm. Im Izume konnte sich Martin Lenz vom Donau-Dojo Ingolstadt e.V. in der ersten Runde durchsetzen und sich den Titel holen. Im anschließenden Enkin konnte sich Wolfgang Schenk von SC Pöcking-Possenhofen e.V. mit einem weiteren Treffer die Silbermedaille sichern. Der Dritte Platz ging an Nadine Wolfsteiner vom Donau-Dojo Ingolstadt e.V. 

In der Mannschaftswertung war das Ergebnis nach 5 Runden bzw. 60 Pfeilen pro Team klar. Mit 39/60 Treffern ging der Sieg und somit auch der Wanderpokal ans Donau-Dojo Ingolstadt e.V., dicht gefolgt von den Schützen aus Pöcking, die mit 37/60 Treffern auf dem 2. Platz landeten. Broze ging an die Vorjahressieger vom Isar-Dojo München e.V. (27/60).

Wie im vergangenen Jahr gab es auch dieses Mal wieder einen Sonderpreis für alle Teilnehmer, die in mindestens einer Runde ein kaichu schafften, also alle 4 Pfeile einer Runde ins Mato trafen. Neben den Einzelsiegern gelang das auch Jesko Buchs, Oliver Pamperin und Max Griesmann.

Allen erfolgreichen Teilnehmern nochmals herzlichen Glückwunsch. 

Insbesondere bei dem Team aus Ingolstadt war es schön zu beobachten, dass korrektes Schießen, harmonisches Taihai und eine hohe Trefferquote durchaus zusammenpassen.

Als Wettkampfleitung waren wieder Kathrin Häpp und Peter Wankerl aus Weilheim vor Ort. Vielen Dank für Euer Engagement!

Dank geht auch an den ausrichtenden Verein und auch die Helfer aus Erlangen und Würzburg.

Stefan Brendel

Dan-Urkunden überreicht

Im August 2025 fanden in Magglingen/Schweiz Dan-Prüfungen statt (siehe https://www.kyuvb.de/2025/09/ikyf-seminare-und-dan-pruefungen-in-maggingen/). Drei Kyudoka aus Bayern hatten dort ihre Prüfung bestanden. Nun sind aus Japan die entsprechenden Urkunden bei uns angekommen. Im Rahmen der bayerischen Meisterschaften wurden diese überreicht. Nochmal herzlichen Glückwunsch an:

  • Florentin Hofmeister (1. Dan)
  • Norbert Vokal (1. Dan)
  • Uwe Wunder (3. Dan)

Stefan Brendel

Shogo-Seminar in Frankfurt

Vom 14.-16. April 2026 hat das Shogo-Seminar in Frankfurt stattgefunden. Vier hochgraduierte japanische Senseis (Fr. Akemi Satake, Hanshi 8. Dan, Shosen Sato, Hanshi 8. Dan, Fr. Kimiko Ito, Kyoshi 8. Dan und Masunari Osumi, Kyoshi 8. Dan), begleitet von Meister Hiroshi Okazaki, Hanshi 9. Dan, haben das Seminar mit 27 europäischen Kyudo-Ka vom Renshi 5. Dan bis Kyoshi 7. Dan geleitet.

Am ersten Tag haben alle Teilnehmer im Shinsa-Maai ihr aktuelles Können gezeigt. Das Niveau war sehr hoch. Jedoch hat uns Okazaki-Sensei ein paar wichtige Anmerkungen und Hinweise gegeben. Seine Kernaussagen waren in etwa: Schießt nicht Mato-orientiert, sondern achtet auf euren Körper, besonders auf das Tatesen und Yokosen, und versucht im Abschuss dem Energiefluss des Körpers zu folgen. D.h. der Energie-Fluss des Körpers ist nicht geradlinig, sondern meandert. Somit versucht, den Energie-Fluss im Hanare nicht zu „schieben“, sondern weiterfließen zu lassen… Eine Aufgabe, die uns alle betrifft.

Am zweiten Tag haben wir Mochi-Mato und Hitotsu-Mato-Sharei geübt. Eine wichtige Aussage für uns Frauen war, dass man Tasukisabaki grundsätzlich vor dem Dojo bindet und nicht innerhalb. Dies gilt vor allem für Frauen, die in Rissha schießen. Eine Ausnahme ist das Yawatashi, bei dem das Tasukisabaki im Sharei integriert ist.

Hierzu gab es noch die Information, dass beim Rissha-Yawatashi die Ärmel sowohl an der Honza, wie auch an der Shai hochgebunden werden können. Der Standard ist allerdings an der Honza.

Am dritten Tag gab es technische Korrekturen und die Möglichkeit diese im freien Schießen umzusetzen.

Die Lehrer waren alle sehr zugewandt, freundlich und hatten Humor! Schön, dass ich sie erleben durfte.

Zusammenfassend war es für mich ein sehr schönes und erfolgreiches Seminar, bei dem ich wieder viel gelernt habe und mich mit den anderen europäischen Kyudo-Ka austauschen konnte.

Ein großes Dankeschön möchte ich den Organisatoren und HelferInnen sagen, die eine hervorragende Arbeit geleistet haben.

Lilo Reinhardt

Gruppenbild der Shogo-Seminar-Teilnehmer

Dan-Prüfungen in Frankfurt

Dieses Jahr wurden in Europa wieder Dan-Prüfungen angeboten, allerdings ohne Seminar und aufgeteilt auf drei Standorte.

Los ging es mit Prüfungen zum 3. und 4. Dan. Diese fanden gleichzeitig in Wien (Österreich) und Noisiel (Frankreich) statt. Eine Woche später ging es dann in Frankfurt/Main weiter. Zwei Tage lange wurde nochmal San Dan und Yon Dan Shinsa angeboten. Am dritten Tag gab es dann Prüfungen zum 5. und 6. Dan und Renshi. Über 400 Teilnehmer aus 18 Nationen machten sich hierfür auf den Weg nach Frankfurt in die Sportschule des Landessportbundes Hessen.

Schon über ein Jahr liefen die Vorbereitungen in einem mehrköpfigen Orga-Team. Örtlichkeiten und Rahmenbedingungen wurden festgelegt, die Finanzierung geklärt, Materialien wie Azuchi, Mato und Trennwände besorgt und deren Transport und Aufbau koordiniert. Helfer wurden gesucht und eine detaillierte Aufgabenbeschreibung erstellt, inklusive individueller Einweisung vor Ort. Alles in enger Absprache mit der ANKF. Sowohl im Vorfeld als auch vor Ort liefen alle Fäden hauptsächlich bei Nadine Emmer sowie bei Chihiro Tanaka zusammen. Auch Michael Surke und Caro und Dirk Schaupp waren in Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung tragende Säulen.

Eröffnet wurde der erste Prüfungstag mit einem Yawatashi. Als Ite war Osumi Masanari (Kyoshi Hachidan) im Einsatz, unterstützt von Charles-Louis Oriou (Kyoshi Rokudan) und Frederic Demangeon (Kyoshi Rokudan).

Anfangs lief es im Prüfungsablauf an der ein oder anderen Stelle noch etwas holprig. Durch hervorragende Kommunikation unter den Helfern und Weitergabe der Erfahrungen an die Helfer des nächsten Tages lief es von Runde zu Runde besser. Entsprechend positiv war auch die Rückmeldung der Teilnehmer und Prüfer. Am Ende des ersten Prüfungstags kam eine der Prüferinnen auf die Helfer zu und meinte: „You are wonderful“.

Bei den Prüfungen zum 3. und 4. Dan setzte sich das Prüfergremium aus 2 Prüfern aus Japan und 3 Prüfern aus Europa zusammen. Die japanische Delegation bestand aus Okazaki Hiroshi (Hanshi Kyudan), Satake Akemi (Hanshi Hachidan), Sato Shosen (Hanshi Hachidan), Ito Kimiko (Kyoshi Hachidan) und Osumi Masanari (Koshi Hachidan).

Europa war vertreten durch Ray Dolphin (Kyoshi Nanadan), Laurence Oriou (Kyoshi Rokudan), Charles-Louis Oriou (Kyoshi Rokudan), Gerald Zimmermann (Kyoshi Rokudan), Feliks Hoff (Kyoshi Rokudan), Claude Luzet (Kyoshi Rokudan), Shigeyasu Kameo (Kyoshi Rokudan), Diethard Leopold (Kyoshi Rokudan) und Frederic Demangeon (Kyoshi Rokudan).

Für die Statistiker hier noch ein paar Infos zu den Teilnehmerzahlen und der Bestehensquote:

 WienNoisielFrankfurt
 TeilnehmerbestandenQuoteTeilnehmerbestandenQuoteTeilnehmerbestandenQuote
3. Dan542546,3%1662414,5%1562616,7%
4. Dan21523,8%7967,6%991212,1%
5. Dan      8878,0%
6. Dan      3538,6%
Renshi      3825,3%

 In Bayern gibt es folgende neuen Graduierungen:

  • Thomas Kerscher, Ingolstadt, 4. Dan
  • Jan Jansen, TSV München-Ost, 3. Dan
  • Jesko Buchs, Isar-Dojo München, 3. Dan

Außerhalb Bayerns haben 27 weitere Mitglieder von Vereinen in Deutschland ihre Prüfung bestanden. Besonders erwähnenswert sind hier Hiyo Shinohara, die die Renshi-Prüfung bestanden hat. Und Beate Dorst-Lehmann, die erst kürzlich den Renshi in Japan gemacht hat, hat in Frankfurt auch gleich noch den 6. Dan oben drauf gesetzt.

Herzlichen Glückwunsch!

Herzlichen Dank an die Prüfer, für die durchgehend hohe Aufmerksamkeit und an das Orga-Team und die unzähligen Helfer, die unermüdlich für einen reibungslosen Ablauf inkl. Auf- und Abbau sorgten.

Stefan Brendel