Archiv des Monats: Juni 2026

Deutsche Kinteki-Meisterschaften 2026 in Karlsruhe

Am letzten Juniwochenende stand wieder ein Höhepunkt des Kyudo-Jahres im Kalender. In Karlsruhe wurden die deutschen Kinteki-Meisterschaften ausgetragen.

An diesem Wochenende ereignete sich aber auch ein anderer Rekord. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen (1881) wurde in Deutschland an zwei aufeinanderfolgenden Tagen neue Temperaturhöchstwerte (41,5°C ) gemessen. Aufgrund der Wettervorhersage sagten einige angemeldete Personen ihre Teilnahme an dem Wettkampf ab. Durch einige Ventilatoren, viele gekühlte Getränke und reichlich Obst auf dem Buffet versuchten die Gastgeber die Rahmenbedingungen so erträglich wie möglich zu gestalten.

Die Begrüßung wurde durch Beiträge von DKyuB-Vorstandsmitglied Nadine Emmer,  ehemaligem Trainer der Kyudo-Abteilung Michael Brettschneider sowie Vizepräsident des Budoclub Karlsruhe Matthias Marke bereichert. Nach dem Yawatashi, das von Feliks Hoff zusammen mit Shigeyasu Kameo und Stefan Brendel durchgeführt wurde, startete die Sempai-Meisterschaft. Startberechtig sind hier alle Personen, die mindestens den 5. Dan haben. Sieben Kyudoka gingen an den Start. In der Vorrunde wurden 2×2 Pfeile geschossen. Mit einer Trefferquote von mindestens 50% qualifizierte man sich für die Finalrunde. Das gelang 4 Schützen. Es wurden dann nochmals 2×4 Pfeile geschossen. Mit 2 Treffern in der Vorrunde und weiteren 7 Treffern im Finale holte sich Markus Hanssler aus Niedersachsen souverän den Titel. Herzlichen Glückwunsch. Auf Platz zwei landete Shigeyasu Kameo aus Nordrhein-Westfalen mit insgesamt 6 Treffern, dicht gefolgt von Feliks Hoff aus Hamburg, der insgesamt 5 mal traf. Für Feliks war es dieses Jahr nach eigener Aussage die letzte Teilnahme an deutschen Meisterschaften. Einziger bayerischer Starter war Stefan Brendel, der sich jedoch nicht fürs Finale qualifizierte.

Nach einer kurzen Pause, die vor allem die Kampfrichter und Helfer nutzen, um ihren Flüssigkeitshaushalt wieder in Ordnung zu bringen und eine Kleinigkeit zu essen, ging es mit der Einzelmeisterschaft weiter. Die 30 Teilnehmenden schossen zunächst 2 Pfeile im Shinsa Maai. Fünf Wertungsrichter beobachteten das genau und bewerteten die Performance. Die höchste Punktzahl erreichte Andrea Knafla aus Berlin. Sie erhielt den Stilpreis.

Die 15 Schützen mit den höchsten Bewertungen schossen im Finale dann nochmal 8 Pfeile. Mit insgesamt 7 Treffern (Vorrunde + Finale) holte Bernhard Weller aus Baden-Württemberg den Titel. Die Plätze 2 und 3 wurden im Enkin zwischen Anna Rykov und Jan Ruzicka (beide aus Hessen) ermittelt. Beide trafen das Mato, der Pfeil von Jan landete jedoch eine Idee mittiger, wodurch er sich die Silbermedaille sicherte. Von den fünf bayerischen Startern qualifizierte sich nur Nadine Wolfsteiner fürs Finale. Ihre Treffer reichten dann aber leider nicht für eine Platzierung. Das Thermometer in der Halle zeigte zeitweise Temperaturen über 40°C an. Eine wahre Hitzeschlacht.

Am zweiten Wettkampftag fand dann die Mannschaftsmeisterschaft statt. Sieben Teams gingen an den Start. Pro Schütze wurden 12 Pfeile, pro Team also 36 Pfeile geschossen. Die bayerische Mannschaft, bestehend aus Nadine Wolfsteiner, Jesko Buchs, Martin Lenz und Max Griesmann, startete mit großartigen 9 Treffern und setzte sich zusammen mit dem Team aus NRW an die Spitze. Die folgenden beiden Runden waren nicht mehr ganz so trefferstark, aber auch bei den meisten anderen Mannschaften ließ die Leistung nach. Somit konnte Bayern schließlich mit 22 Treffern den Titel holen. Super Leistung! Zuletzt erreichte Bayern 2018 eine Platzierung bei deutschen Kinteki-Meisterschaften (Platz 2). Der letzte Titel liegt sogar schon 15 Jahre zurück.

Drei Mannschaften lagen punktgleich mit 21 Treffern auf dem 2. Rang. Die erste Runde des Stechens konnte NRW für sich entscheiden. In einem weiteren Stechen um Platz 3 konnte sich Hamburg gegen Niedersachsen durchsetzen.

Vielen Dank an die Wettkampfleitung Dagmar Baer und alle Kampf- und Wertungsrichter, die bei den schweißtreibenden Bedingungen einen kühlen Kopf bewahrten. Ein ganz dickes Dankeschön geht an das Orga-Team rund um Caro Schaupp. Die zahlreichen Helfer während des Wettkampfes (Schreiber, Kanteki, Yatori, …) haben hervorragende Arbeit geleistet. Und viele weitere Helfer haben für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. Vom Empfang über Passeinträge durchführen, Helfer und Kampfrichter mit Wasser versorgen, Auf- und Abbau wurde hier viel Zeit und Engagement investiert. Otsukaresama desu! Besonders hervorheben möchte ich noch das üppige und abwechslungsreiche Buffet. Neben Gyoza bis Kuchen, unterschiedlichen Salaten und Curry, Obst und Gemüse blieben keine Wünsche offen.

Text: Stefan Brendel
Bilder: Martin Lenz, Stefan Brendel

Prüfungslehrgang in Neuburg an der Donau

Der Landeslehrgang mit Prüfung bis einschließlich 1. Kyu in Neuburg an der Donau erfreut sich großer Beliebtheit, auch weit über die bayerischen Landesgrenzen hinaus. Aufgrund der großen Nachfrage wurden 33 Teilnehmer zugelassen. Neben den bayerischen Vereinen Neuburg, Erlangen, Schweitenkirchen und München-Ost konnten wir auch Gruppen aus Freiburg und Stuttgart sowie Schützen aus Heidelberg, Karlsruhe, Frankfurt, Hamburg und Berlin begrüßen. Während sich bei dem Lehrgang in Erlangen vor 4 Monaten sehr viele Makiwara-Schützen anmeldeten, waren es dieses Mal nur 5 Anwärter für 5. und 4. Kyu. Der Schwerpunkt lag klar bei den Mato-Schützen. Alleine für die Prüfung zum 1. Kyu gab es 12 Anmeldungen. Um vor Ort Zeit für das Schreiben und Auswerten der schriftlichen Prüfung zu sparen, wurden die Fragen, wie bei den Dan-Prüfungen, vorher per Mail verteilt und die Antworten ein paar Tage vor dem Lehrgang bei den Prüfern eingereicht.

Als Lehrer und Prüfer waren wieder Ingrid Haußner (Neuburg), Lilo Reinhardt (München-Ost) und Marcus Kleint (Freiburg) im Einsatz. Dieses Team arbeitet bereits seit einigen Jahren erfolgreich zusammen. Lilo und Ingrid leiten schon seit über 20 Jahren gemeinsam diesen Lehrgang.

Als Eröffnungszeremonie zeigten die Lehrer ein Hitotsu Mato Sharei. Dann durften die Teilnehmer zeigen, was sie können. Anschließend wurden viele Aspekte des Kihontai wiederholt und geübt und auch der eine oder andere individuelle Hinweis zur Verbesserung der Schießtechnik wurde gegeben. Dabei ging es nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch um die Freude am Schießen. In der letzten Runde schossen dann alle mit Kiai. Mit dieser positiven Energie wurde der praktische Teil des ersten Trainingstags erfolgreich abgerundet.

Nach dem gemeinsamen Abendessen gab es noch einen kurzen Zwischenstopp bei der Eisdiele. Dann versteckten sich einige Dojo-Schläfer in ihren Schlafsäcken, während andere die milden Temperaturen nutzen, um das Hofgartenfest in Neuburg zu besuchen.

Der Sonntag startete mit etwas Gymnastik, bevor nochmal auf das Thema Shitsu eingegangen wurde. Nach vier frei geschossenen Pfeilen begannen die Kyu-Prüfungen. Während die Teilnehmer Mittagspause hatten, setzten sich die Prüfer zusammen, um die Prüfungsergebnisse zu diskutieren. Nachdem auch die Prüfer sich etwas am Buffet stärkten, kam es zur „Urteilsverkündung“: 28 neue Kyu-Grade durften in die Pässe eingetragen werden. Die neuen 1. Kyu durften sich sogar über eine originelle Glückwunschkarte freuen. Im Anschluss wurde fleißig weitergeübt, mit weiteren Rückmeldungen von den Trainern. Zum Abschluss gab es nochmals eine Runde Taihai für alle.

Ohne einen engagierten Ausrichter wären solche Veranstaltungen nicht möglich. Deshalb ein dickes Dankeschön an Ingrid, Max und Markus von Judoclub Neuburg.

Und selbstverständlich auch vielen Dank an Lilo, Ingrid und Marcus, die mit viel Einsatz und jahrzehntelanger Erfahrung die Teilnehmer auf ihrem Weg des Bogens ein Stück begleiteten.

Stefan Brendel

Heki-Taikai 2026 in Warschau

Zum dritten Mal lud Tametomo Warschau Heki-Schützen von überallher ein. Vereine aus Deutschland, Finnland, Italien, Litauen, Norwegen, Polen, Österreich, der Schweiz und Ungarn kamen zu diesem wettkämpferischen Familientreffen zusammen.

Deutschland war mit Aachen, Dresden, Hamburg, Karlsruhe, Kiel und Stuttgart vertreten – und für Bayern trat das Isar-Dojo München an.

Wie viele Teilnehmer war das Isar-Dojo schon zwei Tage zuvor zum Sommerseminar vom 4. bis 5. Juni nach Warschau gereist. „Enjoy Kyudo,“ begrüßte Kurosu-sensei über 65 Kyudo-Schützinnen und -Schützen, die mit Hingabe und Freude an ihrer Form arbeiteten. Mit einem „Ganbatte Kudasai“ eröffnete er am 6. Juni das Heki Taikai. Und ja, Durchhaltevermögen war durchaus gefragt, bei so vielen guten Schützen (die zum Teil anstrengende Seminartage hinter sich hatten). In kameradschaftlichem Wettstreit, mit  großer Konzentration und viel Anfeuern gingen die beiden Wettkampftage vorüber. Der Abend  dazwischen bot Anlass zu regem Austausch.

Im Teamwettkampf konnte der Gastgeber Tametomo seinen ersten Platz verteidigen. Zweiter wurde das Team aus Aachen. Der dritte Platz wurde in der dritten Runde eines spannenden Stechens zwischen Karlsruhe und Dresden für letztere entschieden. Im Einzel sicherte sich Holger Minx vom Alster Dojo Hamburg den ersten Platz. Der zweite und dritte Platz ging nach einer Runde Stechen an Friedgar Errenst aus Aachen und Rick Sosiński von Tametomo. Als Schiedsrichter fungierte Michał Mazurek von Tametomo.

Tametomo übergibt nun die Staffel an Turbine Dresden. Das 16. Heiki Taikai wird also wieder in Deutschland stattfinden.

Martin Haldenmair

Weitere Fotos gibt es auch unter www.heki-taikai.com